Asche und Regen
Bilder gegen das Vergessen
Eine Ausstellung der Evangalischen Versöhnungskirche Dachau vom 6.10. bis 30.11. 2005
Pressestimmen
Die Täter schweigen, die Enkel reden
Vernissage mit Lesung in der VersönngskircheDachau. "Die Vergangenheit wirft ihre Schatten bis in die Gegenwart, sie wirkt erst recht, wenn wir versuchen, sie zu verdrängen." Für Uwe von Seltmann ist dieser Satz lebensbesimmend geworden. Er gehört zu der dritten Generation der Angehörigen von Nazitätern. Er ist der Einzige in der Familie, der das Tabu gebrochen und sich mit den Verbrechen seiner Vorfahren beschäftigt hat. In seinem Buch "Schweigen die Täter, reden die Enkel" beschreibt er, wie sich aus Reisen, Begegnungen, Schriftstücken Zufallserlebnisse und mühelosen Recherchen ein Mosaikstein nach dem anderen das Bild seines Großvaters zusammengefügt hat. Der war aktiv an der Niederschlagung des Warschauers Ghettoaufstands beteiligt.Uwe von Seltmann wird aus diesem Buch in der Versöhnungskirche lesen. In einem ungewöhnlich persönlichen Buch wird deutlich, wie die Geschichte des Großvaters dazu beitrug, die eigene Geschichte mit zu prägen und dass es keinen Schlussstrich unter die NS Vergangenheit geben darf. Gleichzeitig wird an diesem Abend im Gesprächsraum die Ausstellung "Asche und Regen" von Maria Kurzok eröffnet. Auch sie versucht, wie Uwe von Seltmann, das Schweigen zu brechen, das der Großvater, ein SS Aufseher aus Mauthausen, in seiner Familie hinterlassen hat. In bizarren und zum Teil erschreckenden Bildern tastet sich Maria Kurzok, eine Künstlerin aus Regensburg, an das Grauen der Zeit und die familiären Spuren ihres Großvaters heran. SZ
Zwei die das Schweigen brechen
Dritte Generation fragt nach von Stefanie WolfDachau. Was haben Großeltern von 1933 bis 45 getan? Waren sie Mitläufer, stille Erdulder? Oder aktiv beteiligt an den Greultaten des Regimes? Fragen wie diese sind unangenehm. Der Schriftsteller Uwe von Seltmann und die Künstlerin Maria Kurzok hatten den Mut, der Wahrheit ins Auge zu blicken.Beide stellten in der Versöhnungskirche ihr Wek vor, in dem sie sich mit der Nazi Vergangenheit ihres Großvaters auseinander setzen.Uwe von Seltmann, Journalist und Autor aus Leipzig, las aus seinem biografischen Roman "Schweigen die Täter, reden die Enkel", während Maria Kurzok zum erstenmal ihre Ausstellung "Asche und Regen" zeigt.
Es gibt viele Parallelen im Leben der beiden Künstler: Beide haben den Großvater, aktiver Täter im Naziregime, nie kennengelernt. Die Familie bewahrte eisiges Schweigen über die dunkle Vergangenheit. Sie waren die Einzigen, die den Mut hatten, nicht die Augen zu verschließen vor dem Verbrechen des Vorfahren. Und doch war der Weg, sich mit der Famliliengeschichte auseinander zu setzen völlig kontrovers.
Uwe von Seltmann schildert in seinem Roman seine Spurensuche nach der Geschichte seines Großvaters Lothar von Seltmann einem begeisterten Nazi und Antisemit. In vielen, oft zufälligen Begegnungen trifft er auf Zeitzeugen, früheren Bekannte seines Großvaters, Fotografien und Dokumente. Mit jedem Detail, auf das er srößt, wird das verschwommene Bild des Großvaters klarer, der Schleier des Schweigens beginnt sich zu heben. Je mehr Seltmann über seinen Großvater erfährt, desto mehr fragt er sich: Wie kann ein Mensch, den seine Zeitgenossen als intelligent, fröhlich und charmant in Erinnerung haben, zugleich kaltblütiger Mörder sein? Heute sagt der Autor: "Ich empfinde nicht mehr Hass, sondern Mitleid. Das Buch musste geschrieben werden, damit meine Familie Ruhe findet.
Maria Kurzok fand eine ganz andere Zugangsweise zu der Geschichte ihres Großvaters Johann Traut, der als Aufseher im KZ Mauthausen arbeitete. Immer wieder erschien er ihr in Träumen mit schrecklichen Gewaltszenen. Anfangs habe sie versucht, das Leben des Großvaters nach zu konstruieren. "Ich habe aber bald gemerkt: Es ist nicht wichtig zu wissen, sondern zu fühlen. Es ist nicht wichtig von wem die Verbrechen getan wurden, sondern dass sie getan wurden."Befreiung habe sie erst gefunden, als sie begann ihre Verzweiflung "rauszu malen". Ihre Bilder zeigen das fiktive Gesicht ihres Großvaters, gemalt in wütenden Pinselstrichen ohne klaren Umriss. Das Gesicht ist schwarz und hässlich, wirkt mal aggressiv, dann wieder eingeschüchtert. Blutrote Striche hat Kurzok quer darüber gesetzt, als wollte sie dem Großvater nachträglich Wunden zu fügen. In der anschließenden lebhaften Diskussion zwischen Künstlern und Publikum wurde deutlich, wie aufwühlend die Auseinandersetzung mit den Tätern des NS - Regimes ist. "Wir alle sind potentielle Nachfolger von Tätern" stellte eine Zuhörerin fest. Und Uwe von Seltmann war sich sicher: "Wenn wir anfangen zu reden, fangen auch andere an." Münchner Merkur
9.November 2005 Musik zum Gedenken
Am Abend des Novemberprogrom mit Assif Tasahr, New York



